Bauen mit Bestand und Baukonstruktion

Großstrukturen der 60er und 70er Jahre

Großstrukturen sind die vielleicht markantesten Innovationen der Architektur der 1960er und 70er Jahre. Bauwerke wurden größer als das, was man gemeinhin noch als Haus bezeichnen würde – eher schon erschienen sie als ein Stück Stadt. Die Großbauten waren das architektonische Resultat des modernen technischen Fortschrittsglaubens. Sie wurden rational organisiert, streng im Raster konstruiert und in hohem Maße industriell vorgefertigt. Und sie hatten einen utopischen Gehalt, denn allesamt galten die ausgeführten Bauten als erste, kleine Schritte einer viel größeren, alles bisher Dagewesene umwälzenden Architekturentwicklung. Man erwartete, dass Großstrukturen die traditionelle Stadt mit ihrem Straßennetz und ihren Plätzen, parzellierten Blöcken und Einzelhäusern in naher Zukunft ablösen würden. Bauten, die wie eine „Stadt in einem Haus“ möglichst alle Funktionen vereinen wollen, die eine Gesellschaft zum Leben braucht. Zumeist waren das kommunale Zentren mit integrierten Shoppingmalls und Wohnungen, so dass man auf dem Weg von der Wohnung zur Arbeit und zum Einkauf nicht den Bus, sondern den Aufzug nehmen konnte. Die junge BRD hat in ihren Boomjahren außergewöhnlich viele Projekte hervorgebracht, die auch international wahrgenommen wurden. Das bundesdeutsche Baugeschehen war jedoch – das muss betont werden – mitnichten ein nationales Phänomen, sondern Teil eines international geführten Diskurses, an dem sich Architekt/innen aus allen Teilen der westlichen Welt beteiligten.

© Großstrukturen der Nachkriegsmoderne. Ideengeschichte und Konservierungsfragen.
Sonja Hnilic

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zuletzt bearbeitet am: 06.03.2026